Montag, 5. November 2012

Something about Canada

Knapp zwei Monate touren wir nun also durch ein Land, das international im Prinzip fuer nichts Ausserordentliches bekannt ist - ausser Ahornsirup und Schnee. Da wir unseren kanadischen Freunden in wenigen Tagen bereits den Ruecken kehren, ist es dementsprechend an der Zeit fuer einen kurzen Rueckblick auf das Leben in Kanada, der auf unseren ganz eigenen subjektiven Erfahrungen beruht.

Teil 1: Menschen


Dass sie schlechte Gastgeber waeren, dass kann man den Kanadiern nun wirklich nicht vorwerfen. Es tat im Prinzip nichts zur Sache, ob im Westen oder im Osten Kanadas: Unsere kanadischen Gastgeber, die wir zumeist ueber die unfassbar geniale Internetseite couchsurfing.com (deren Nutzen und Sinn ich hiermit nochmal ausdrueklich loben moechte) fanden, versuchten uns im Rahmen ihrer jeweiligen Moeglichkeiten jederzeit die Welt zu Fuessen zu legen. Die Menschen waren offenherzig, hilfsbereit, aufgeschlossen und auf eine ehrliche Weise freundlich und interessiert. Es steriliserte sich in gewisser Weise fuer all unsere verschiedenen Hosts zur willkommenen Aufgabe, ihren drei deutschen travelern auf irgendeine Weise auf ihrem steinigen Weg durch das verschneite Kanada weiterzuhelfen. Wir wurden koestlich bekocht, durften jegliche Ressourcen (z.B. Mobiltelefone, Internet etc.) bis zum Erbrechen nutzen und vor allem eine Erkenntnis war in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung: Die Leute halfen uns nicht, weil sie es mussten oder weil sie sich irgendwie dazu verpflichtet fuehlten, sondern sie taten es tatsaechlich gern, aus ihrer ureigensten Ueberzeugung, ohne Hintergedanken. 

Selbstverstaendlich gesellen sich zu diesen wirklich einmaligen Kanadiern auch weniger sympathische Bewohner Kanadas, die uns vor allem an das typisch nordamerikanische Blendertum erinnerten. So trafen wir auf dem Bau und im Hostel - Luke moechte ich aufgrund seiner spezifischen Situation mal ausklammern -, eine Hand voll ueberzeugte Vertreter des Prinzips "Wer am lautesten und laengsten redet, hat recht". Es war manchmal wirklich erstaunlich, wie eifrig wir insbesondere auf dem Bau mit dem ein oder anderen Egozentriker diskutierten und auch unmissverstaendlich klar machten, dass wir in Thema XY (in diesem Fall ging es um Rassismus) nicht auf einen Nenner kommen werden. Fuer uns war das Gespraech somit beendet, doch nicht fuer unseren Gegenueber, der trotz nicht mehr vorhandenen Antworten weiter und immer heissbluetiger mit Stereotypen um sich warf. Das Ausleben einer derartigen Diskussionskultur bedeutet dann leider oftmals, dass sich die Person XY als Sieger der Auseinandersetzung fuehlt und dies, eigentlich der viel schlimmere Aspekt, in einer gewissen Selbstherrlichkeit muendet. Diese fuehrt wiederum zu dem Satz schlechthin, der uns beinah tagtaeglich heimsuchte:

I am not everybody. I am special.

Was mich unweigerlich zu dem Gedanken fuehrte:

Nein, ich vergass, du bist der Nabel der Welt.