Donnerstag, 1. November 2012

Neues aus Absurdistan

Es liegen mal wieder bewegte Tage hinter uns, die vor allem unter einem Stichwort summiert werden koennen: Veraenderung. Ein Kompaktblog zu Halloween in Nordamerika,  ploetzlich auftretendem Reichtum und zu den damit verbundenen Ausfluegen ins Kuriositaetenkabinett. 

Ein Zimmer fuer sechs Personen im Hostel
Was in einer Woche alles so passieren kann, ist manchmal einfach unfassbar. Nachdem wir letzten Sonntag voellig entnervt unseren durchgeknallten Couchsurfing-Gastgeber und Teilzeit-Arbeitgeber Luke verliessen, befinden wir uns nun, sage und schreibe acht Tage spaeter, tatsaechlich wieder in den gleichen vier Waenden - diesmal allein. Die Geschichte, wie dies zustande kam, ist meiner Meinung nach beinah filmreif, insbesondere wenn man sie mit unseren vorherigen Luke-Erfahrungen verbindet. Gehen wir das Ganze mal chronologisch an. 


Das viel zu kleine Wohnzimmer des Hostels
Es ist Winter in Calgary. Und wie ihr wahrscheinlich wisst, habe ich vergangene Woche noch unseren super entspannten Baujob angepriesen, was an sich auch seine Berechtigung hatte. Doch mit Montagmorgen und unserer ersten Nacht im Hostel "Wicked" - das uebrigens eher einem Arbeiterlager glich - entschied sich Kanada leider spontan fuer einen Wintereinbruch. Was fuer uns wiederum bedeutete: arbeiten bei - 20 Grad in Pullover und Fussball-Kunstrasenschuhen. Insofern wurde auch der ach so entspannte easy-going-Job fuer uns zum absoluten Kaelte-Horror und im Prinzip begann jeder Tag erneut mit der gemeinsamem Hoffnung, dass es so extrem schneit, dass dann selbst die Kanadier sagen, dass es ihnen zu heftig ist. Ungluecklicherweise passierte dies nur einmal und jeder einzelne Tag wurde so zur Tortur fuer unsere - teilweise nicht mehr vorhandenen - Fuesse.

Da das Wetter auch keinerlei Tendenzen aufkommen liess, sich allmaehlich wieder in menschenwuerdige Regionen zu bewegen, kam das Wochenende zwar spaet, aber gerade noch rechtzeitig und wir nahmen dankend das wohl am ehrlichsten verdiente Geld unseres Lebens von unserem Chef entgegen. Ob wir eine derartige Tortur noch eine weitere Woche ueber uns ergehen lassen wollten, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Von unserer grundsaetzlichen Reisephilosophie "immer der Sonne hinterher" hatten wir uns jedenfalls weit distanziert.

However. An besagtem ersehnten Wochenende nahmen wir schliesslich - mehr oder weniger erfolgreich - an einem pubcrawl teil, der von unserem Hostel organisiert wurde und wurden so Zeuge, wie ausgelassen, exzentrisch, aber auch durchaus originell unsere kanadischen Mitmenschen das Halloween-Fest zelebrieren.Allerdings brachte dieses Wochenende auch noch eine viel wichtigere Information mit sich, die uns nach unserem Vertical-Limit-Samstagabend - und nur 15 Stunden Regeneration - erreichte. Es hatte sich Lukes Frau, Maddi per SMS gemeldet und sie teilte uns mit, dass Luke Mitte der Woche eingewiesen wurde und sich nun psychologischer Betreuung befindet. Was fuer ein Hammer. Aber in Anbetracht unserer bisherigen Erfahrungen mit ihm koennen wir auch nicht sagen, dass uns das nun komplett uebrrascht haette.

Was bedeutet das nun fuer uns? Mehr als ihr wahrscheinlich erwartet. Da Maddis und Lukes Familie anscheinend mitbekommen haben, dass wir nicht komplett unanstaendige Typen sind, bat uns Maddi ueber die Woche in Lukes und ihrem Paradies von Haus den Saustall zu beseitigen, den Luke in den drei Tagen (!) unserer Abstinenz angerichtet hatte. Maddi selbst wohnt waehrendessen weiterhin bei ihren Eltern und wir besetzen jetzt - ganz normal - zu dritt ein Haus und sorgen dort fuer Ordnung, was uns im Uebrigen sogar noch bezahlt werden soll. Doch damit nicht genug, denn auch das Rechnungswesen des Hostels hatte fuer uns noch eine Ueberraschung parat: Als wir uns ordnungsgemaess aus dem Hostel verabschiedeten und jederzeit damit rechneten, dass uns nun gleich jemand auf die ausstehenden Kosten von 200 $ pro Kopf hinweisen wuerde, schien es wohl niemanden - inklusive uns - so wirklich zu interessieren, wie es mit den Finanzen der three Germans eigentlich steht. Letztlich verliessen wir das Hostel, ohne die Entrichtung der suendhaften teuren Pauschale von 200 $ fuer ein Sechsmannzimmer pro Woche. Koennen wir mit leben. Ein bisschen Verbrecher muessen wir nach unserer abgegebenen Kreditkarte in Regina  auch mal sein.

Wie auch immer, ich kann Euch versichern, dass wir aktuell leben wie die Koenige und uns tagtaeglich festlich bekochen. Ich verbringe im Prinzip 18 meiner 24 Stunden vor einem riesigen Mac-Bildschirm, Robert versucht Naehen zu lernen und Michel verfolgt weiterhin mit erstaunlicher Kontinuitaet sein Vorhaben Spanisch per Selbststudium zu erlernen. Ach ja, arbeiten tun wir auch noch. Ab und zu - und nach Wetterlage - fuer die Baufirma und halt in unserer neuen Wg. Lifes good.
Bringt die Halloween-Vernarrtheit Nordamerikas gaenzlich zum Ausdruck

Ein grosses Sorry fuer die haesslichen ae, oe und ue's, habe zur Zeit nur eine amerikanische Tastatur zur Hand.