Mittwoch, 21. November 2012

2 Tage NYC für Anfänger: „Schmeiß mich raus auf der Welt, wo du willst. Ich komm klar!“



Allmählich scheine ich die nächste Stufe meiner persönlichen Weltreise-Evolution erreicht zu haben. Ich weiß um 17 Uhr in einer der größten Städte der Welt nicht, wo ich die Nacht verbringen werde, aber ich verspüre keine Panik. Und letztendlich wird tatsächlich immer alles gut. Doch vielleicht erzähle ich diese Geschichte lieber von Beginn an. 

Nach elf mehr oder weniger verzückenden Stunden im Greyhoundbus (der Bus hatte Wlan und Steckdosen, aber ich schlief dafür maximal zwei Stunden im rammelvollen Bus) stand ich um Punkt 06.15 Uhr auf dem Times Square und mein Kiefer tut noch bis heute weh, weil er so hart nach unten fiel. Im Prinzip sah ich nämlich nur noch Lichter und Menschen, die armeisenartig puren Stress, Chaos und Eile versprühten. Mittendrin in diesem illustren Schauspiel: ein 23-jähriger Schweriner, der außer einem Treffen mit seinem neuen Couchsurfinghost am Nachmittag  und voll gepackten Taschen nichts mitgebracht hat.
Somit sind wir auch schon bei NY-Lektion Nr.1:

Tausche nie Geld auf dem Times Square!

Mit jugendlicher Blauäugigkeit entschied ich mich direkt nach meiner Ankunft in der seriösest wirkenden Stube einen Teil meines Kanadischen Bargelds einzutauschen. Was soll ich schließlich noch mit dem ganzen Kanadischen Geld? Dennoch kann ich sehr froh sein, dass mir irgendeine Stimme auch schon um 06.15 Uhr in der Früh flüsterte:

Wechsel nicht alles auf einmal.

Denn: Die liebe Dame am Schalter – die rotzfrech auch noch fragte, ob dies mein erstes Mal in NY sei – gab mir bei einem Kurs von 1:1 für 100 Kanadische Dollar lächerliche 80 Amerikanische Dollar wieder. Die fehlenden 20 Dollar waren dann auf dem Bon selbstverständlich als Gebühr ausgewiesen. Ich hatte sicher schon wärmere Willkommensparties, aber NY-Lektion Nr. 1 war somit schnell  gelernt. Ohne mich darüber zu lange zu ärgern, verbuchte ich meinen durchaus schlechten ersten NY-Eindruck unter der Kategorie Lehrgeld. Mit etwas Abstand war ich mir auch schon wenig später  bewusst, wie naiv ich eigentlich war.
Wie auch immer, die Situation blieb die selbe: Ich stand immer noch völlig ahnungslos im Herzen einer der pulsierendsten Metropolen dieser Welt. Deshalb blieb ich auch zunächst meinem neu eingeführten Ritual treu, den nächstbesten Starbucks  (die hier ohnehin auf jeden fünften Schritt folgen) aufzusuchen und mir mit Kaffee und Internet einen Plan zu machen. So weit, so gut. Doch leider wurde der einzige Plan, der je ansatzweise existierte, dann auch noch über den Haufen geworfen.  Mein CS-Host Kevin hatte sich gemeldet und teilte mir mit, dass er spontan aus der Stadt musste, weil er jobliche Verpflichtungen hatte. Um dies allerdings sofort in ein rechtes Licht zu rücken, möchte ich erwähnen, dass er  zuvor auch angekündigt hatte, dass dies der Fall sein könne. 

Nun gut, gehen wir über zu Plan B! Ach ne, den gibt es ja nicht.

Nun sitze ich also im Starbucks auf der 7th Avenue mit zwei vollen Taschen, einem Computer, nicht der rudimentärsten Ahnung vom Bus- und Bahnverkehr,  und habe zusätzlich auch nicht den leisesten Schimmer, wo ich die anstehende Nacht verbringe. Über fehlende Beschäftigung konnte ich mich in diesen Tagen jedenfalls nicht beklagen.
Nach reichlich Internetrecherche und brutaler Koffein-Kur fand ich schließlich ein vernünftiges Hostel mitten in Brooklyn, das halbwegs meinen Preisvorstellungen entsprach und mit einigen bzw. ehrlich gesagt ziemlich vielen doofen Fragen schaufelte ich mir anschließend meinen Weg durch das New Yorker Bahnsystem und erreichte meine nächtliche Behausung. Mein Treffen mit Kevin hatte ich auf den nachfolgenden Tag verschoben.
Voller Tatendrang begab ich mich am nächsten Tag wieder nach Downtown und arrangierte zunächst die Dinge, die aus meinem jugendlich-sportlichen Horizont aus am wichtigsten erschienen: Karten für NBA-Spiele. Statt der ursprünglich angedachten Partie Brooklyn Nets vs. New York Knicks entschied ich mich letztlich für eine andere Variante, die mich das Gleiche kostet, aber stattdessen attraktive 2 Spiele beinhaltet:
                Denver Nuggets vs. New York Knicks (Madison Square Garden)
                LA Clippers vs. Brooklyn Nets (Barcleys Center) 

Nach diesen zwei besonders stolzen Kreuzen auf meiner persönlichen To-Do-Liste erwartete mich im Anschluss wieder der einzige Fixpunkt meiner Reise: Starbucks. Erneut empfing mich mein Wohnzimmer allerdings mit schlechten Nachrichten: Kevin ist beruflich einen weiteren Tag aus der Stadt und unser Treff fällt deshalb ein weiteres Mal aus. Nun, so ganz neu war mir diese Situation jetzt ja nicht, doch die Uhrzeit war diesmal etwas schockierender: 17:37 Uhr. Komischerweise suchte ich dennoch jedes Gefühl der Angst oder Aufgeschmissenheit in mir vergebens. Alles wird schon gut werden – und das auch nachdem das Hostel, in dem ich die vorige Nacht verbracht hatte, mir mitteilte, dass es bereits ausgebucht sei. Google angeschmissen, etwas Recherche betrieben und dank des digitalen Zeitalters, in dem wir Leben, war nur 10 Minuten später bereits ein neuer Plan vorhanden. Das International Students Hostel in Manhattan wurde also für eine Nacht mein zu Hause und wie es Fortuna immer so will, teilte mir der Rezeptionist auch gleich bei meiner Ankunft unmissverständlich mit, was für ein Glück ich habe. Warum? Ich habe das allerletzte Bett des Hauses erstanden.
Ab morgen bin ich dann vorübergehend bei Kevin untergebracht und kann mich endlich sorgenfrei mit der Schönheit New Yorks befassen. Aus so vielen Mündern habe ich bereits von der einzigartigen „Energie“ gehört, die der Big Apple so versprüht und tat dies ehrlich gesagt als komisches Geschwätz ab. Doch wer einmal hier war, der weiß definitiv, was gemeint ist. New York ist eine unglaublich facettenreiche und pulsierende Stadt und in den nächsten Tagen werde ich Euch diese Energie auch versuchen in Bildern einzufangen. Erstmal muss ich jedoch die Formalitäten in den Griff kriegen ;-)

Beste Grüße an alle Lesenden aus New York

Wer Tipps hat, ist ausdrücklich dazu aufgefordert sie mir per facebook mitzuteilen! ;-)