Mittwoch, 21. November 2012

Lonesome Rider



Nicht, dass es mich überrascht, doch die Veränderung von einer dreisamen zu einer einsamen Weltreise ist durchaus immens. Insbesondere in meinen wundervollen Tagen in Toronto habe ich so viele Dinge gesehen, die mich inspiriert oder beeindruckt haben, aber mit wem teil ich dies nun? Sicher ist in dieser Hinsicht auch der ein oder andere Smalltalk im Hostel oder auf der Straße ganz nett, ein vollwertiger Ersatz ist es jedoch definitiv nicht -- Ich weiß Wehleidigkeit steht mir nicht. Alleine durch die Straßen riesiger Metropolen unter Millionen anderen kanadischen, asiatischen - und erschreckend vielen deutschen - Menschen zu schlendern, wird sich für einen geborenen Teamplayer wie mich wohl niemals normalisieren. Und, wie wir außerdem alle wissen, ist selbst der böseste Mensch grundsätzlich ein soziales Wesen.
Meine neuen Freunde und ich. Vielleicht bring ich sie mit nach Deutschland.

Nichtsdestotrotz gibt es auch von dieser Konstellation eine nicht zu vernachlässigende Kehrseite der Medaille. Denn: Es klingt banal, doch ich habe mich definitiv noch nie freier gefühlt. Ein kluger Mann mit dem Namen Wilhelm von Humboldt sagte einst, dass das Ziel eines Studiums sei, autonome Individuen bzw. sogenannte Weltbürger zu  kreieren. Wer ist aktuell ein Weltbürger, wenn nicht meine Wenigkeit?

Auch andere Begleiterscheinungen  schaffen es immer wieder mich, den Lonesome Rider, zu verzücken. Denn beinah nach jedem kleinen selbstständig geplanten Ausflug, nach jeder 20-stündigen Busfahrt und nach jeder angeregten Unterhaltung auf Englisch, verspürt man ein wenig den Drang, sich persönlich auf die Schulter klopfen zu wollen, dass man dies alles ohne größere Blamagen auf die Reihe bekommen hat. Man lernt kleine Erfolge, die zuvor in Tick-Trick-und-Track-Konstellation selbstverständlich waren, zu schätzen.  

Verfasst am 19.11.2012. Direkt neben einem Toilettenkeeper des Torontoer Busbahnhofs, der seit einer und einer halben Stunde  rotzfrech behauptet , dass das einzige Klo des Bahnhofs weiterhin für nur noch eine halbe Stunde gesperrt sei. In dieser Zeit kommandierte der junge Herr ohne Gewissensbisse Hunderte aufgebrachte Gäste schlichtweg aus dem Gebäude. Großes Kino – zumindest für mich.