Montag, 24. September 2012

Heute bin ich von einer Brücke gesprungen


Das kann zumindest Michel sagen.

Eigentlich begann der Tag an unserer ersten Zwischenstation unseres 3.5000-Km-Trips in den Westen Kanadas äußerst langweilig. Während wir durch das Örtchen mit dem wirklich imposanten Namen Thunder Bay flanierten, stellten wir gemeinsam fest: Hier möchten wir niemals leben. So ist es wohl auch bezeichnend, dass wir als Höhepunkt des Tages einen Besuch im wirklich riesigen Walmart der Stadt erwarteten. Doch letztendlich kam es mal wieder ganz anders. Während wir uns mehrere Minuten an der unglaublich großen Chipsauswahl erfreuten, riefen plötzlich unsere Hosts Hailey und Heather an:
         
"Hey Jungs, wir haben Freunde, die heute von der Stadtbrücke springen wollen. Wir wollten vorher noch zu Walmart - kommt ihr mit?!"

Wie unsere Antwort ausfiel, könnt ihr euch sicherlich denken. Nur zehn Minuten später waren wir auch schon an der Brücke und eine Gruppe von jungen Studenten empfing uns schließlich so, wie wir es ehrlich gesagt in Kanada bisher auch gewohnt sind: mit offenen Armen. Typen namens Eric und Russel waren sozusagen die Strippenzieher des ganzen Geschehens und als uns Eric versicherte, er sei professioneller Freeclimber wurde die ganze Sache immer interessanter für uns und wir beschlossen todesmutig: Wir springen auch! Das Problem: Nachdem Eric und Russel (siehe Bild rechts) bereits von ihren atemberaubenden Sprüngen berichteten, hielt schließlich ein älterer Mann mit Glatze an der Brücke an.

"I can not watch what you are doin here, I'll call the cops"

Nachdem er dies dann getan hatte, verließen er und sein Pickup auch wieder das Geschehen und urplötzlich hatten wir Zeitnot. Wann kommt die Polizei an? Wie lange können wir noch springen?

Wie werden absolut essentielle Entscheidungen getroffen? Mit Stein, Schere, Papier! Genau!
Michel war schließlich der Glückliche, der mit seinem unschlagbaren Papier den Sieg davontrug. Als dieser sich nach seinem Flugerlebnis wieder auf dem Weg aufwärts befand, stand schließlich auch der erste kanadische Polizist neben uns, der zwar signalisierte, dass er unser Schaffen eigentlich sehr amüsant findet, er unser Treiben aber dennoch beenden müsse. Robert und ich sind demgemäß die Verlierer des Tages. Aber wer so schlecht in Stein, Schere, Papier ist, hat es auch nicht anders verdient ;-)

Morgen um 23.30 Uhr verlassen wir Thunder Bay und der nächste Zwischenstop wird Winnipeg sein.