Sonntag, 19. Oktober 2014

Wohnungssuche in Indien – reine Nervensache (Teil 2)

Das Wichtigste vielleicht mal vorweg: Andreas und ich haben es tatsächlich vollbracht, eine Wohnung in Delhi zu beziehen. Der Weg dorthin war mehr als beschwerlich, manchmal jedoch ist der Weg auch das Ziel.

Die unendliche Geschichte auf dem Weg zur ersten eigenen Wohnung in Delhi re-live.
Hier gehts zu Teil 1.

14.10.2014 (besagter Tag, an dem die Wohnung tip-top sein sollte)

17.43 Uhr: Zwei deutsche Narren treffen sich wieder am Moti’s und wollen frohen Mutes in Richtung ihrer Wohnung in Spe aufbrechen. 
Unser neues Zuhause

17.57 Uhr: Ein Anruf kommt herein. Es ist der Makler: „I am very sorry but the landlord has only time after 7 pm. We shift our meeting from 6 to 7 pm.”

17.58 Uhr: Die zwei deutschen Narren kehren nun weniger frohen Mutes um und beschließen, eine Stunde am Markt von Malvija Nagar totzuschlagen. Einer von ihnen kauft sich beinahe fragwürdige Schuhe.

18.19 Uhr: Der eine zum anderen: „Hmmm, immer noch ganz schön viel Zeit. Lass uns was essen.“

18.41 Uhr: Die Narren machen sich auf den Weg zur Wohnung.

18.48 Uhr: Die Narren erreichen die Wohnung und lassen sich vom sichtlich motivierten Sicherheitsmann beeindrucken, wie gut er die Autos einweist und jedem Auto, das seiner Meinung nach zu schnell an ihm vorbeirauscht, mit der Trillerpfeife zur Ordnung mahnt.

19:00 Uhr: Außer den deutschen Narren ist niemand weiter an der Wohnung.

19:26 Uhr: Siehe 19:00 Uhr.

19:32 Uhr: Makler erreichen die Wohnung mit den Worten „Sorry, Sorry!“. Der Landlord (Besitzer des Hauses) schafft es nun wohl doch komplett gar nicht, heute in der Wohnung zu erscheinen.

19:34 Uhr: Makler und die Interessenten betreten die Wohnung. Sie sieht sogar noch schlimmer aus. Die zuvor rumliegenden eingesauten T-Shirts und Schnapsflaschen sind zwar nun einigermaßen in Mülltüten zusammengepfercht, dafür beheimatet der Kühlschrank einige neue Monokulturen. „Für diesen Drecksladen unterschreib ich gar nichts.“, empört sich der eine der beiden Deutschen.

19.52 Uhr: Trotzdem lesen die beiden den Mietvertrag und sind etwas verdutzt: „Die Küche empfangen wir also in einwandfreiem Zustand? Die Wohnung ist sauber und ordentlich?“
Gewöhnungsbedürftig: unsere Küche

20.03 Uhr: „You have time until tomorrow to clean the apartment. Otherwise we will not take it.” Die Interessenten verlassen die Szenerie. Kinnladen der Makler berühren fast den Fußboden.

20.10 Uhr: In der Rikscha stellen beide Deutschen fest: „Gar keinen Bock mehr auf so einen indischen Affentanz!“

15.10. 2014 

17:57 Uhr: Nur ein deutscher Narr wartet dieses Mal vor der Wohnung.  

18:11 Uhr: Landlord und Makler erscheinen. In ihren Maßstäben viel zu früh.

18:13 Uhr: Gruppe betritt die Wohnung. Der Landlord scheint etwas aufgeregt.

18:18 Uhr: Wohnung befindet sich urplötzlich in einwandfreiem Zustand. Die Betten haben neue Matratzen, die Couch im Wohnzimmer hat neue Bezüge. Der Landlord bietet sogar neuen Kühlschrank (ohne Monokulturen) an. Einziger kleiner Schandfleck: die Bäder. Hier liegen deutsche und indische Vorstellungen von Hygiene einfach zu weit auseinander. Eine deftiger Frühjahrsputz im Herbst sollte da aber Abhilfe schaffen. 

18:25 Uhr: Landlord, Makler und der deutsche Narr, der immer noch auf die Minute genau zu jedem  Treffen mit Indern erscheint, sind glücklich und unterzeichnen den Mietvertrag.

18:31 Uhr: Indischer Wohnungs-Affentanz beendet.