Dienstag, 14. Oktober 2014

Neue Serie: Dinge, die man nur auf Reisen tut…

#1: Nach zwei Tagen eine WG gründen

 

Sobald ich die deutschen Landesgrenzen verlasse, verschieben sich zwangsläufig auch meine eigenen Prinzipien ein wenig. Das heißt natürlich nicht, dass ich grundsätzlich ein anderer Mensch bin, aber sobald ich den Travel-Modus hochfahre, verlieren bestimmte deutsche Angewohnheiten, Verhaltensweisen und Prioritäten schlichtweg ihre Gültigkeit und müssen mehr oder weniger ersetzt werden. Was das genau heißt, wird euch die heute startende Kaese-auf-Weltreise-Serie  mit dem Titel „Dinge, die man nur auf Reisen tut…“ scheibchenweise beleuchten.

Wir starten mit einer Anekdote aus der Kategorie „in Deutschland würde ich das niemals machen“. Vor einigen Tagen habe ich Andreas (angehender Praktikant der RSL Stiftung) kennengelernt. Er war zufällig im gleichen Hotel abgestiegen wie ich und nach meiner französischen Erfahrung mit Laurent  wusste ich ein richtiges mit Inhalten gefülltes Gespräch mal wieder echt zu schätzen. Das hätte nicht zwanghaft auf Deutsch sein müssen, der Zufall wollte es aber so.
Mein angehender Roomie Andreas
Einen Tag Sightseeing und einige Unterhaltungen später stellten wir fest, dass wir beide mit der Situation, dauerhaft im Hotel zu leben, unzufrieden waren und erzählten, was uns zum Beispiel alles daran störte. Schreiende Inder, vorbeirauschende Züge – es hatte sich etwas Frustrationspotenzial angesammelt, allerdings hochgradig unzufrieden waren wir auch wieder nicht. Jedoch, und da waren wir uns einig, gehört es zu einem richtigen Leben in einer fremden Weltmetropole auch irgendwie dazu, eine eigene Wohnung zu haben und nicht dauerhaft im Hotel zu leben. Einige Wimpernschläge später entzückte uns ein gemeinsamer Geistesblitz:

„Wir kennen uns ja nun bereits fast 48 Stunden. Wir gründen eine WG!“

Richtig gehört, wir gründen spontan eine WG. Da wir beide noch über zwei Monate in der Stadt sind, macht das selbst rational gesehen, irgendwo Sinn. So viel Sesshaftigkeit ist vielleicht nicht ultimativ "travel-mäßig", aber den Umständen entsprechend. 

Nur einen Tag später trafen wir uns mit diversen Maklern, handelten gemeinsam mit einem indischen Freund von Andreas bis aufs Blut, und beziehen nun schlussendlich gemeinsam eine Wohnung im Süden Delhis und werden wohl oder übel viel Zeit miteinander verbringen. Somit werden wir nach zwei Tagen Bekanntschaft eine WG aufmachen. Sowas macht man halt nur auf Reisen.