Donnerstag, 20. September 2012

Wie die Feder im Wind

Mit der absolutesten Mehrheit der kanadischen Politikgeschichte wurde es heute endgültig beschlossen: Robert, Michel und ich werden am Freitagmorgen mit dem Greyhound Bus eine Reise über 3.500 Km nach Calgary antreten. Zwischenstopps werden sein: Ottawa, Thunder Bay und Winnipeg. Die Abstimmung im Parlament endete 3:0. Ein eindeutiges Ergebnis, das seine Gründe hatte.

Unser aktuelles Zuhause in der Morgan Avenue
Nachdem wir in Montreal eine Woche hatten, um die allgemeinen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu ergreifen, mussten wir zu dem Schluss kommen, weiterzuziehen. Und zwar dahin, wo das Wetter zu dieser Jahreszeit noch einen Tick besser ist als hier. Sicher kommt dies auch unserer Sonnenanbeter-Mentalität entgegen, die wir in Rostock nicht so wirklich ausleben konnten. Der wesentliche Grund dafür ist aber: In den Staaten Alberta und British Columbia ist bis Mitte November noch Fruitpicking-Saison und dies bedeutet für uns, eine ausgesprochen gute Chance auf Arbeit. 

In Montreal hingegen fand die Fruitpicking-Saison vor wenigen Wochen bereits ihr Ende. Aus einer anderen Perspektive ist der Trip auch unserer Situation förderlich möglichst ganz Kanada - und eben nicht nur große Städte mit großen Häusern - zu sehen. Wenn man so will, könnte man von einer Win-Win-Situation sprechen.

Die Reise umfasst 3.500 Km und dauert etwa drei Tage. Der Spottpreis dafür beträgt ca. 150 Euro. 

Mittwoch, 19. September 2012

Impressions



Wie euch bereits die Überschrift suggeriert, startet nach und nach der Prozess des englischen Denkens... Ein paar wenige erste Eindrücke von Montreal.


Mit unserem ersten Host JP, der auf diesem Bild - wie wir alle - etwas komisch daherkommt. Wie bereits ausführlich erzählt, war er unsere kanadische Lebensversicherung.





Die olympische Anlage von Montreal, die heute (36 Jahre nach Olympia) nur noch bedingt modernsten Ansprüchen genügt. Die wir offensichtlich ja auch nicht brauchten.

Freizeitfussball im Park mit anschließendem Biertrinken, was der ein oder andere kanadische Sportgenosse anscheinend auch gerne etwas häufiger tut.

Die Gebrüder Zirkus sowie die Katzen Motocycle (grau) und Orange (schwarz)... 

Der ein oder andere mag sich fragen, warum Montreal auf diesem Bild brennt - Ich weiß es auch nicht.

 McGill University und Campus




Ein Bild von Mavie von unserem letzten Abend.
















Soviel für diesen Moment. Übrigens: Wir werden am Freitag eine Reise von etwa 3.500 Kilometern quer durch Kanada Richtung Calgary antreten. Warum, Wieso, Weshalb erfahrt ihr morgen.


Montag, 17. September 2012

Nette kanadische Menschen

Kanadische Menschen sind anders - und das im positiven Sinn. Nachdem wir in der Nacht von Freitag zum Samstag gelandet waren, empfing uns unser erster Couchsurfing-Host JP. Obwohl er sichtlich übermüdet war, öffnete uns Jean-Philippe etwa um 24 Uhr Ortszeit die Tür in Shorts und Nachthemd, nachdem wir uns aufgrund allgemeiner Orientierungslosigkeit ziemlich verspäteten. Dennoch sinnierte JP, ein Libanese, der auf eine amerikanische Arbeitserlaubnis wartet und im Prinzip nur seine Zeit in Kanada absitzt, mit uns über die Schönheit und Schattenseiten Montreals. Nach einer komfortablen Nacht in Montreal-Downtown führte uns JP mit aller Ausgiebigkeit durch die Innenstadt und kümmerte sich für uns im Prinzip um alles, was essentiell für uns war (Handy-Prepaidkarten, fairer Geldtausch etc.). Bemerkenswerte Hilfsbereitschaft, die ich aus Deutschland so nicht kenne.

Nach einer ausführlichen Stadttour verschlug es uns dennoch zu den nächsten Couchsurfern: Mavie und Gabou. Mavie und Gabou sind beides echte Punkrock-Girls - die aber jegliche Vorurteile entkräften, die  pöbelnde Punkrocker in deutschen Einkaufszentren geschürt haben. Mavie ist eine angehende Medizinstudentin, Gabou ist eine praktizierende Tierärztin. Das gute alte Parallelleben, das vielleicht auch der ein oder andere von Euch kennt, vollführen diese beiden in Perfektion. Gabou fasste ihre Einstellung dazu recht einprägsam zusammen: "I don't care what other people think". Irgendwie inspirierend. Nach dem ein oder anderen Bier und wirklich angeregten Unterhaltungen hatten wir schließlich auch schon einen Schlüssel zur Wohnung in der Hand, damit wir uns frei bewegen können, wie sie meinten. Am späteren Abend begleiteten wir die beiden und weitere Punkrocker zu einem Szene-Konzert im Herzen Montreals und auch dort wurden wir mit offenen Armen empfangen, als ob wir jahrelang dazugehören und auch blaue Haare hätten. Es ist einfach klasse in unserer Situation von Fremden, was sie ja eigentlich sind, einen so familiären und vertrauten Umgang zu erfahren.

Vielleicht noch das ein oder andere Wort zu unserer Wohnsituation. Neben Mavie und Gabou und den eigentlich fast jederzeit anwesenden Gästen leben wir außerdem mit vier Katzen und einem Hund zusammen. Eine der Katzen, die im übrigen alle mindestens drei Namen besitzen, ist gehbeeinträchtigt und der Hund ist hyperaktiv. Doch ist es keineswegs so, dass uns das irgendwie stört, dafür sind sie viel zu liebenswert. Generell ist es auch keineswegs so, dass hier alles perfekt und aufgeräumt ist, doch gerade das ist es, was den besonderen Charme unserer zweiten Couchsurfing-Hosts ausmacht.

Ein weiterer Herr, dessen Bekanntschaft wir heut machen durften, war Mano, Linienrichter beim Freizeitfussball - ja die haben Linienrichter beim Freizeitkick. Nachdem er uns etwas unengagiert am Rand des Rasens den Ball hochhalten sah, kam er sofort auf uns zu und sagte, wir sollen morgen unbedingt am Jerry Park erscheinen zum nächsten Kräftemessen der Freizeittruppen, diesmal allerdings nicht neben dem Feld.

Nett sind sie, die Kanadier. Soviel steht fest - oder wir sehen einfach nur sehr hilfsbedürftig aus ;-)

Samstag, 15. September 2012

Angekommen

Es war sicher alles andere als komplikationslos, ABER: Es ist vollbracht.
Robert, Michel und ich sind alle gleichermaßen heil in Montreal angekommen. Nach kurzen Problemen mit dem immgration office Montreal und der ein oder anderen ungewollten sightseeingtour haben wir das Apartment unseres Couchsurfing-Hosts, Jean-Philippe, erreicht und heute gilt unsere oberste Priorität der Stadterkundung. Übrigens ist JP ein absolut cooler Typ, wohnt in Downtown, und ist definitiv ein guter Gastgeber, jedoch machte er uns eines sofort klar: Montreal wird wohl nicht mehr als eine Übergangsstation für uns, da die Modalitäten der Arbeitsbeschaffung hier recht kompliziert sind. Die nächsten drei Tage werden wir zunächst Montreal erkunden und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja was, das unseren Aufenthalt hier doch verlängert...

Donnerstag, 13. September 2012

Ready for take off...

Eines vorweg: Es bedeutet für mich eine ungemeine Befriedigung, die missbrauchte Redewendung "ready for take off" endlich mal in ihrer eigentlichen Bedeutung zu hören. Im Gegensatz zu vielen adoleszierenden  Deutschrapbösewichten,  die zum 4623. Mal beschreiben, dass sie nun tatsächlich bereit sind, das "Rapgame zu übernehmen" und sprichwörtlich "abzuheben", ist mein Gebrauch dieser Wörter vielleicht nicht ganz so dramatisch, beinhaltet dafür aber sogar was Wahres: Ich bin abflugbereit (siehe Foto). Doch genug des Deutschrap-Exkurses.

Morgen Mittag um 14.15 Uhr ist es also soweit. Die drei Musketiere treten in Hamburg den Trip ihres Lebens an und so langsam wird es kribbelig. Nach einem kurzen Zwischenstop in London landen wir zur Primetime in Montreal, exakt 20.15 Uhr und in Anbetracht dessen, was uns erwartet, wird der lange Flug wohl kaum langweilig. Eines ist sicher: Die Taschen sind gewissenhaft gepackt.

Ich bringe Euch mal auf den neuesten Stand. Wie ihr in vorherigen Blogeinträgen verfolgen konntet, hatte die Reisegruppe Rostock den Plan, ihren Lebensunterhalt als Linguistic Videogametester in Montreal zu bestreiten. Nach einer äußerst strapazierenden Aufnahmeprozedur, die wahre Engelsgeduld und reichlich Gutmütigkeit unsererseits erforderte, war das Bewerbungsverfahren abgeschlossen und die Firma XY gratulierte uns samt bezahlter Flüge zu unserem Job. Bekanntlich war die Freude darüber auf unserer Seite sehr groß, jedoch speisten uns die Damen und Herren etwa vor drei Wochen lapidar damit ab, dass auch sie die Wirtschaftskrise nun offenbar getroffen hätte und sie uns doch nicht beschäftigen werden -- puh, das saß -- und wirft andererseits die Frage auf, warum die Firma XY uns eines dermaßen aufwendigen Bewerbungsprozesses unterzieht, um dann mit - meiner Meinung nach - äußerst scheinheiligen Gründen das Ganze über den Haufen zu werfen.

As you know; Robert, Michel und meine Wenigkeit besitzen nicht nur auf dem Universitätssportplatz die ein oder andere Wiederaufstehqualität und fühlten uns vielmehr zu unkonventionellen Lösungen angeregt. Was heißt: Lösungen, die erstmal nicht viel Geld kosten, da einerseits das eingeplante Gehalt von Firma XY weg fällt und  andererseits unsere Ersparnisse erstmal unberührt bleiben sollen. So kamen wir zu einer Idee, die vielleicht nicht sonderlich überrascht: COUCHSURFING. Gleich am ersten Abend in Montreal sowie die weiteren Tage bis Ende September verbringen wir bei Couchsurfern. Da diese Tage ohnehin der Stadterkundung gewidmet waren, betrachten wir dies sogar als sehr nützlich. Wer soll uns besser die schönen Seiten Montreals präsentieren als dessen Einwohner?! Ab Oktober planen wir schließlich eine kleine Wohnung zu mieten, was dem Anschein nach in Montreal recht unkompliziert ist - Wir werden sehen, ob dies auch tatsächlich der Fall ist. Ein kluger Mensch mit dem Namen Cicely Saunders sagte einmal:
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Ein Sprichwort, das auch dieser Reise zugrunde liegen soll, was auch immer kommen mag.

Salüt



Dienstag, 11. September 2012

Und nun... steigt die Vorfreude doch!

Hallo Freunde der gepflegten Unterhaltung,

Nun ist es also passiert. Ich habe nach reichlich kreativer Verkrampfung in der Bibo tatsächlich meine letzten beiden Seminararbeiten erfolgreich in den Briefkasten meiner geliebten Philsophischen Fakultät manövriert und darf mich - wenn nicht alles schief läuft - bald Bachelor of Arts schimpfen. Klingt erstmal gut...

Viel cooler als das ist jedoch, dass ich mich von nun an auch geistig mit meiner Weltreise befassen kann und es täglich einen witzigeren Gedanken darstellt, dass man in einigen Tagen einfach mal langfristig ganz woanders auf der Welt zu Hause ist und das kleine beschauliche, aber dennoch feine Rostock nach drei Jahren auf einmal nicht mehr dein Lebensmittelpunkt ist. Dementsprechend absurd sind aktuell auch meine Gedankengänge. Jeder Mensabesuch, jeder Fernsehabend in der WG, jedes Bier - es wird mit Person XY wohl dein letztes für eine nicht absehbare Zeit sein.


Doch will ich mich gar nicht weiter in Wehleidigkeit suhlen, sondern viel mehr den Blick vorwärts richten. Am  Freitag um Viertel nach zwei werden drei unerschrockene, todesmutige Vagabunden den Trip ihres Lebens beginnen und allmählich weichen jegliche Zweifel zunehmend Vorfreude und Begeisterung.

Apropos Freude, die bereiteten mir gestern  all jene, die auf meiner kleinen aber feinen Abschiedsfeier mit ihrer Anwesenheit und vor allem auch tollen Geschenkideen glänzten. So wurde ich einerseits Zeuge des überragenden Geschmacks eines kalifornischen Cheesecakes und andererseits bin ich nun im Besitz eines originalen Schweizer Taschenmessers sowie der aktuell besten Kompaktcamera - vielen vielen Dank an Euch! Ich verspreche euch, diese auch in eurem Sinne umfangreich an gleichem Ort und gleicher Stelle zu nutzen...

   Man achte auf Kraft...

Nun verzieh ich mich erstmal wieder zwischen meine Umzugskartons und gebe Donnerstag Abend eine letzte Wasserstandsmeldung sowie einen kleinen Einblick in unsere (mehr oder weniger vorhandene) Planung für die ersten Wochen in Montreal...

Bis dahin!

Donnerstag, 23. August 2012

Der Countdown läuft - die Vorfreude... ist nicht vorhanden.

Hallo Sportsfreunde,

im Folgenden möchte ich ein digitales Lebenszeichen von mir geben, das euch vorrangig signalisieren soll, dass es sich bei diesem Blog nicht nur um eine nette Idee handelt, die schlussendlich aber nicht gewissenhaft genug verfolgt wurde, sondern, dass ich mich bemühe, meine weltmännischen Ansichten in gesunder Regelmäßigkeit zum Besten zu geben.

ALLERDINGS: Aktuell befinde ich mich tagtäglich in meiner gefühlten Wahlheimat: der guten alten Bibliothek. Die letzten beiden Seminararbeiten vor dem Bachelor of Arts setzen meine Nerven nochmal vor eine Zerreißprobe. In diesem Kontext erklärt es sich dann vielleicht auch, dass jegliches Gefühl von Vorfreude nicht wirklich existent ist. Mit dem 10. September entledige ich mich dieses Rucksacks voller wissenschaftlicher Findlinge und ich habe noch drei Tage, um mich auf unsere Reise zu freuen... immerhin :)

By the way: Neben allerlei universitären Verpflichtungen existiert natürlich auch ein gewisses Weltreise-Organisations-Rahmenprogramm, welches jedoch auch nicht sonderlich spannend ist und ich euch jedwede Auseinandersetzung damit ersparen möchte. Gerne kann ich euch beschreiben, wie spannend es ist, sich Impfen zu lassen, oder im Stadthaus auf seinen Reisepass zu warten, doch das hätte ähnlichen Unterhaltungswert wie Hansa gegen Chemnitz. Exemplarisch sei jedoch erwähnt: Woran könnte die Beantragung eines internationalen Führerscheins scheitern? Richtig, man findet seine eigentliche Fahrerlaubnis nicht mehr... kost dann auch nur 75 Euro, bezahlt man gern.

Ab 11.September betreibe ich den ganzen Spaß hier etwas gewissenhafter, I promise! :)

à bientôt

Ach und, weil wir ja alle Cyberspace-Menschen sind, hier der Link zu Michels Blog:
http://zigeunerei.blogspot.de/2012/08/der-weg-zu-zweit-ist-halb-so-weit-und.html?spref=fb