Samstag, 27. Dezember 2014

Goa und der kleine Junge in mir

Eigentlich bin ich so ziemlich der Letzte, der sich auch nur über irgendetwas beschweren dürfte, schließlich ersaufe ich derzeit in Lebensqualität. Die Strände des indischen Urlaubsstaates Goa sind einfach traumhaft und auch das Wetter könnte besser kaum sein (täglich 30-35°). Zudem habe ich eine wunderbare Strandhütte, die zwar mitten im indischen Dschungel liegt, von der aus aber der Marsch zum angenehm gepflegten Palolem Beach trotzdem keine Zigarettenlänge überschreitet. Auch in Anbetracht der Preis-Leistungskurve des goanischen Essens wären wahrscheinlich selbst die Aldi-Brüder blass geworden.
Life is hard
 Und nun wage ich es ernsthaft, mich zu beklagen?

Ja, weil der kleine Junge in mir, mir mal wieder nicht sonderlich hilfreich zur Seite stand.

Entscheidung 1 des kleinen Jungen:

Ich war ja bereits das ein oder andere Mal in sonnigen Ländern - Sonnencreme brauch ich nicht! Meine Haut kann das ab! Danke für diesen Ratschlag, kleiner Junge!
Es ist nicht so als hätte ich nun einen dezenten Sonnenbrand auf den Schultern oder den Armen, nein, ich habe im Prinzip einen Ganzkörpersonnenbrand und ich pelle wie eine Wurst und bin nu einer der Menschen, die mit T-Shirt am Strand abhängen (müssen).

Entscheidung 2 des kleinen Jungen:

Okay, vielleicht mag Entscheidung 1 eher aus der Kategorie „weinerlich“ stammen. Also hat sich der kleine Junge noch eine weitere clevere Entscheidung überlegt: Ich spiele einfach den ganzen Nachmittag mit den kleinen indischen Jungs Fußball am Strand (Goa ist der einzige ind. Staat, in dem Fußball wirklich relevant ist), obwohl mir die Füße eigentlich schon nach einer halben Stunde höllisch wehtaten. Schließlich durste ich nach Fußball bereits seit etwa drei Monaten.
Lieber kleiner Junge in mir, für diesen einen Nachmittag war das eine tolle Entscheidung, weil es mit den Kids wahnsinnig Spaß gemacht hat, für die fünf(!) Tage danach aber leider pure Idiotie. Neben einer Fleischwunde am linken Fuß zieren meinen rechten zwei große Blasen, die auch noch fünf Tage danach jede Bodenberührung zur Hölle machen.

Beruhend auf Entscheidung 1 und 2 gebe ich nun ein ziemlich lustiges Gesamtbild ab. Denn nun bin ich der komische Typ, der ständig mit T-Shirt am Strand rumhängt („Wenn er nicht braun werden will, kann er ja zu Hause bleiben“), der bei jedem Schritt, den er tätigt, ein wenig humpelt und manchmal nun sogar Verbände um seinem Fuß trägt. Für einen Außenstehenden wäre diese fortschreitende Selbstverstümmelung sicher amüsant. Mal sehen, was der kleine Junge sich für die nächsten Tage so einfallen lässt.

Bin ich glücklich, dass das derzeit meine einzigen (Luxus-)Probleme sind.


Viele Grüße aus Goa!