Dienstag, 16. September 2014

Visum? Na klar, Cox and Kings!

Es könnte doch alles so einfach sein. Heute ein bisschen arbeiten, morgen den Flug buchen und übermorgen in Neu Delhi landen. Jeder, der - trotz frappierender Ähnlichkeit - Angela Merkel von Heidi Klum auf den ersten Blick unterscheiden kann, wird jedoch wissen: Meist liegen Traumvorstellung und Realität ein Stück weit auseinander. Eine Erkenntnis, die mein Antrag für das indische Visum auf merkwürdige Art und Weise unterstrich.

Eigentlich ist so ein Visum ja gar kein Problem. Eigentlich. Also zumindest in Deutschland. Und in Indien? Da muss ich zugeben, bin ich erstmal skeptisch. Hab ich vielleicht beim Indien-Seminar in der Uni zu gut aufgepasst. Wenn dann aber die Seite des Indischen Konsulats in etwa so aussieht, wie die ersten Gehversuche der Programmierer von Sonic the Hedgehog (ein SEGA-Actionheld des Jahres 1991), beruhigt mich das so sehr, wie vier doppelte Espresso. 

"Okay, nun leg mal deine deutsch-dekadente Arroganz ab und widme dich dem Wesentlichen", redete ich mir ein. Nachdem ich zügig durchschaut hatte, wie die allgemeinen Hinweise schnellstmöglich via next zu überspringen waren, meldete sich aber umgehend wieder der Deutsche in mir: "Es kann doch nicht deren Ernst sein, dass ich mich für das offiziellste und wahrscheinlich auch wichtigste Dokument dieser Reise bei einer Firma mit dem Namen Cox and Kings Services melden soll." Das Kopfkino lief bereits auf Hochtouren: Cox and Kings - die Spielothek für Gewinner und Indische Visaangelegenheiten.

Die wortwörtliche Übersetzung meines extrem vertrauenserweckenden Visa-Dienstleisters erspare ich mir an dieser Stelle. Denn das eigentliche Problem folgt erst noch: Um mein Visum zu erhalten, sollte ich nämlich nicht nur die absurdeste Passbildgröße aller Zeiten (5x5cm) digital UND schriftlich in mehrfacher Ausführung einreichen, sondern auch mit 68 Euro (inklusive Cox and Kings Servicegebühr) in Vorkasse gehen. Damit nicht genug. Auch mein Reisepass (im Original(!)) musste zur (Briefkasten-)Firma meines Vertrauens. Im Gegenzug erhielt ich dafür die ungemein beruhigende Gewissheit, dass jede Antragsbearbeitung mindestens vier Wochen dauert und jede Anfrage im Bearbeitungszeitraum unerwünscht ist. Was für eine Wahl blieb mir nun? Super aufgeregt in der Botschaft anrufen und den pingeligen zugeschnürten Deutschen spielen, der am besten gar nicht erst nach Neu Delhi fliegen sollte?

Bis ich den Umschlag endgültig in den Postkasten fallen ließ und nach Berlin abschickte, war ich immer noch zwiegespalten, auf was ich mich hier eingelassen hatte. 

Und siehe da, es dauerte nicht einmal zwei Tage, bis ich notdürftig versiegelte Post aus Berlin von einem Unternehmen namens Cox and Kings in der Hand hielt. Im Umschlag enthalten waren - ich wollte es kaum glauben - : eine Quittung und mein wohl behüteter Reisepass inklusive eines Visums, das in meinen unqualifizierten Augen durchaus offiziell daherkam und zunächst dazu diente, mir drei bis vier Sorgenfalten von der Stirn zu wischen.


Andere Länder, andere Sitten.