Dienstag, 9. April 2013

Culture Crash


Nach vier Tagen Urlaub im Urlaub in La Paz mit reichlich Strand, Kaltgetränken und Sonnenbrand ereilte uns gestern kollektiv ein Gefühl, das wir in ganz Kalifornien nicht im entferntesten zu spüren bekamen. Wir waren das erste Mal richtige „Ausländer“.

Bereits beim ersten Spaziergang entlang der zauberhaften Promenade von La Paz begrüßte uns eine Gruppe etwa 18-jähriger Halbstarker inmitten eines allgemeinen Schweigens mit dem Wortlaut „los spasticos!“. Es folgte allgemeines Gelächter und ja, der Begriff heißt in etwa das, was ihr vermutet.

In den kommenden Tagen in La Paz und Umgebung stellten Marcus und ich dann immer häufiger - unabhängig von einander - fest, dass uns jede Kellnerin, jede Kassiererin und selbst der betrunkene Taxifahrer so penetrant mustert, als seien wir von einem völlig anderem Stern. Nicht, dass uns das so wirklich stören würde, doch nachdem wir uns gestern darauf geeinigt hatten, dass wir uns die ein oder andere Musterung vielleicht auch nur eingebildet hätten, folgte dann heute die Kirsche auf Sahnehaube. Völlig benommen am Strand liegend bemerkten wir, dass eine Gruppe jugendlicher Mädels mit sich ringt, ob sie denn nun zu uns rüberkommt oder nicht. Warum konnten wir uns auch nicht so recht erklären. Nach mehreren Anläufen fasste sich der einzige Teenager mit minimalen Englischkenntnissen ein Herz fragte für die gesamte Gruppe mit zitternder Stimme: „Can we take a picture with you, please ?“

Natürlich war das kein Problem für uns, führte uns aber auch unweigerlich zu der Erkenntnis, dass wir wohl tatsächlich recht auffällig unterwegs sein müssen. Hatten wir ein paar tausend Kilometer entfernt von Amerika nicht so wirklich erwartet. Von nun an agieren wir deshalb in mexikanischen Städten auch nur noch unter den Pseudonymen Bruce Willis, Bruce Springsteen (Bruce and Bruce), und David Hasselhoff.

Vielleicht noch ein zwei sinnvollere Infos. Vor wenigen Stunden haben wir mit den Baja Ferries den Golf von California überquert und sind nun inklusive Jochen (bzw. seit der Grenzüberquerung Jorgè) auf dem mexikanischen Festland angekommen und von nun an geht’s zügig Richtung Guadalajara, um nur wenig später in eine der größten Metropolen der Welt abzutauchen, Mexiko City.

Des Weiteren erweisen sich unsere Spanischbemühungen – dafür, dass wir keinerlei Vorkenntnisse haben - als durchaus kontinuierlich und wir können mit Fug und Recht behaupten immerhin etwa eine Stunde am Tag in unsere Sprachfertigkeiten zu investieren - was unter unseren aktuellen Lebensumständen als Dauerdurchreisende nicht immer einfach ist. Doch vielleicht sollten wir es mit dem lingualen Ehrgeiz auch nicht zu sehr übertreiben, denn mit der Zauberformel Personalpronomen + Infinitiv + Fingerzeig auf Substantiv sind wir bisher auch recht erfolgreich gefahren.

:-)