Sonntag, 9. Juni 2013

Autoverkauf in Costa Rica: Es hätte so schön sein können


Im Konjunktiv klang mal wieder alles so schön. 

Unser für etwa 2000$ in San Francisco erworbener Jeep Grand Cherokee hat in Costa Rica tatsächlich einen Listenpreis von etwa 4,500 bis 5000 $. Da wir dies in etwa genauso sehr erwartet hatten wie dass Roman Weidenfeller ernsthaft nochmal Welttorhüter wird, waren die Jubelarien entsprechend groß.

Zu allem Überfluss wurden unsere nicht zu Ende gedachten finanziellen Traumvorstellungen auch noch von einem costa-ricanischen Amigo namens Orlando vollends bestätigt und zu guter Letzt erklärte sich dieser sogar noch bereit unseren Liebling Jochen über seine "guten Kontakte" an den Mann zu bringen. Wir konstatierten gemeinsam:

"Wie easy geht denn dieser Autoverkauf vonstatten?"

Die Flüge nach Jamaika und Kuba waren quasi schon gebucht. 

Die neuen Jochen-Besitzer
Doch es kam mal wieder alles ganz anders. Denn leider erwies sich unsere costa-ricanische Samstagabendbekanntschaft Orlando eher als Freund großer Worte statt großer Taten und so lernten wir auf eigene Faust die bittere Realität eines internationalen Autoverkaufs kennen. Denn was Orlando ebenso wie wir komplett ausblendete - oder im Rausch des zukünftigen Reichtums erfolgreich ignorierte -, waren die absurd hohen mittelamerikanischen Zoll- und Steuergebühren eines Autos, das lediglich über eine amerikanische Anmeldung verfügt. Etwaige Einführungskosten beliefen sich summa summarum auf ungefähr 3000$, sodass unser fahrender Lottogewinn Jochen mal schwuppdiwupp zum Problemkind Jochen wurde. Denn trotz allgemeiner Übereinstimmung "that this is a very good car" hatte Jochen einige weitere gravierende Defizite - zumindest in den Augen costa-ricanischer Autohändler. 190 Pferdestärken und ein V8 Motor seien auf costa-ricanischen Straßen ebenso "problematisch" wie ein stinknormaler Benzintank. Daraus versuche man mal schlau zu werden. 

Unter dem Strich bedeutete dies für uns einige wirklich zermürbende Nachmittage, an denen wir Autohändler um Autohändler in und um San Jose abklapperten und gewisserweise froh sein konnten, wenn wir überhaupt ein Angebot erhielten. Das Gros der Autohändler schickte uns nämlich aufgrund der Komplikationen mit den Importgebühren direkt wieder auf den Heimweg. Nach einigen verzweifelten Stunden fanden wir schließlich doch noch einen Herren, dem das Geschäft mit dem Grand Cherokee schmackhaft genug erschien und er legte uns immerhin 1000 Dollar Cash auf den Tisch. Da mit dem Geld des Autoverkaufs sowieso niemand von uns mehr gerechnet hatte, ist das soweit kein Problem für uns. Aber die frappierende Ironie des Ganzen ist wohl mal wieder wie eng Himmel und Hölle zusammenliegen können.